Dänische Häftlinge im KZ-Aussenlager Husum-Schwesing

Das Stelenfeld auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte.

Wer auf das Gelände der KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing kommt, könnte glauben, dass an diesem herrlichen Ort nie etwas Böses geschehen könnte. Doch auch hier wurden während der Nazi-Zeit Gräueltaten verübt. Der folgende Vortrag beschreibt, wie es unseren dänischen Nachbarn erging und welches Leid sie hier erlitten.

Die Deportation
Es ist 4 Uhr morgens am 15. September 1944. Schreie und Trillerpfeifen wecken die Häftlinge des Polizeigefangenenlagers Frøslev. Die Gefangenen müssen sich im Mittelgang der Barracken aufstellen. 195 Namen werden aufgerufen. Die Betreffenden müssen ihr Gepäck holen – eine sofortige Hinrichtung scheint also nicht bevor zu stehen.  Wohin die Reise geht weiß keiner der Häftlinge. Man verabschiedet sich von seinen Freunden. Die Stimmung ist erdrückend. Die Häftlinge werden in die SS-Kantine geführt, wo der Kommandant; SS-Sturmbannführer Phillipp Hillgärtner den Häftlingen in einem munteren Ton sagt, dass ihr Bestimmungsort ein Arbeitslager außerhalb Hamburgs sei. Die wenigsten Häftlinge waren sich über die Konsequenzen dieser Worte im Klaren – vom relativ friedlichen Polizeigefangenenlager Frøslev sollten sie nun in das Konzentrationslager Neuengamme und seinen Außenlagern deportiert werden. Viele werden die kommenden Monate nicht überleben – die meisten werden sie nur mit erheblichen physischen und psychischen Schäden überstehen.
Das Polizeigefangenenlager Frøslev wurde mit dänischen Mitteln errichtet, damit keine weiteren dänischen Staatsbürger in deutsche Konzentrationslager deportiert werden sollten. Nach den Unruhen in Dänemark im August 1943 intensivierten die deutschen Besatzer den Kampf gegen die Widerstandsbewegung. Ab Herbst 1943 begann man mit den ersten größeren Deportationen von Juden und sogenannten „politischen Häftlingen“, zunächst in die Konzentrationslager Stutthof bei Danzig, wohin die internierten dänischen Kommunisten deportiert wurden, sowie in das Konzentrationslager Sachsenhausen, in welches dänische Widerstandskämpfer überführt wurden. Dort befand sich schon ein größeres Kontingent von norwegischen Häftlingen. Dänische Juden, die bei einer Aktion in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober festgenommen worden waren, wurden in das Ghetto Theresienstadt bei Prag deportiert. Auf dänischer Seite bekam man durch diese Deportationen einen Eindruck vom nationalsozialistischen Konzentrationslagersystem und wollte möglichst weitere Deportationen verhindern. Nach Verhandlungen zwischen den dänischen Behörden und den deutschen Besatzern wurden Massendeportationen im Frühjahr und Sommer 1944 vorerst eingestellt und man einigte sich auf die Errichtung eines Lagers auf dänischem Boden. Das Polizeigefangenenlager Frøslev wurde am 13. August 1944 in Betrieb genommen – es sollten jedoch nur wenige Wochen vergehen, bis die deutschen Besatzer ihre Vereinbarung mit dem dänischen Staat brachen und die ersten knapp 200 Häftlinge in das Deutsche Reich deportierten.
Nach der Ansprache des Kommandanten am Morgen des 15. September wurden die Häftlinge auf Lastkraftwagen zum Bahnhof Harrislee gebracht.  Wahrscheinlich wollte man mit einem Fußmarsch von etwa 200 Häftlingen kein Aufsehen in der örtlichen dänischen Zivilbevölkerung erregen. Nach längerem Warten wurden die Häftlinge in Viehwaggons verladen. 50 Häftlinge mussten in jedem Waggon Platz nehmen, wobei sich jeweils 25 Häftlinge in jedem Ende des Waggons dicht aneinander auf den Boden setzen mussten, so dass in der Mitte reichlich Platz für den bewachenden SS-Mann war. Der Zug fuhr nun langsam durch Schleswig-Holstein in Richtung Hamburg. Unterwegs dienten alte Marmeladeneimer als freistehende und bei weitem nicht ausreichende Toiletten – dieses galt im Übrigen auch für die drei weiblichen Häftlinge, die sich auf dem Transport befanden.
Vor ihrer Ankunft in Neuengamme erlebten die dänischen Häftlinge nächtliche Bombenangriffe auf Hamburg – bei einem Halt auf einem Güterbahnhof hören die Häftlinge, wie Fragmente von Flakgranaten die Dächer der Waggons treffen. Angst und Grauen lösten allmählich die anfängliche Unsicherheit und Nervosität ab. Am nächsten Nachmittag kam der Zug in Neuengamme an. Als die Türen geöffnet wurden, traten die dänischen Häftlinge in eine ganz andere Welt ein: Sie wurden Teil des menschenverachtenden und brutalen Konzentrationslagersystems.
In Neuengamme wurden die Dänen zu KZ-Häftlingen. Von Anfang an ging es dabei um den Prozess der Entmenschlichung. Zum einen kam diese von Anfang an durch die Schindereien, die Brutalität und den vulgären kommandierenden Ton der SS zum Ausdruck. Schon beim Entladen des Zuges wurden die Häftlinge von SS-Männern angeschrien, die mit Maschinenpistolen und scharfen Hunden bewaffnet waren. Zum anderen sollte den Häftlingen ihre Individualität genommen werden. Ihre Haare wurden ihnen abgeschoren, sie bekamen Häftlingskleidung und mussten ihren letzten Besitz abgeben. Der Däne Hans Schack Bruun beschreibt, wie seine Mitgefangen versuchten, Eheringe im Rektum zu verstecken. Beim Haareschneiden wurden auch gleich die Schamhaare abrasiert – oft mit stumpfen Werkzeugen, die den Prozess zu einer schmerzhaften Erfahrung machten. Offiziell diente der Vorgang der Entlausung. Die Demütigung der Häftlinge war von Anfang an gewollt. In Neuengamme bekamen die Dänen ihre Häftlingskleidung – verdreckt, unzureichend und oft nicht in der richtigen Größe.  
Ihr Name wurde von jetzt an eine Häftlingsnummer, mit 50000 beginnend. Der Däne Hans Mørup sagte später über seine Häftlingsnummer, das diese das letzte kleine Anzeichen seiner Existenz gewesen sei. Man durfte nicht auffallen, nicht anders sein. Der Däne Hans Christian Rasmussen erinnert sich an seine erste Ohrfeige vom Blockältesten, weil er seine Häftlingsnummer auf Anfrage nicht laut und deutlich auf Deutsch sagen konnte.
Karte des ehemalingen KZ-Außenlagers in Husum-Schwesing.Man sprach Deutsch zu den Häftlingen – kommandierte sie auf Deutsch. Die, die es nicht konnten, mussten es schnell lernen um zu überleben. Dabei waren die dänischen Häftlinge von Anfang an besser gestellt als viele andere Häftlingsgruppen. Sie waren in Frøslev gut verpflegt worden. Sie wurden im Prinzip als Mitglieder der „arischen Herrenrasse“ verstanden. Die meisten waren bei der Ankunft noch nicht psychisch gebrochen.
In Neuengamme erlebten die dänischen Häftlinge, was in den nächsten Monaten auf sie zukam. Sie sahen täglich Misshandlungen und sogenannte Bestrafungen. Ein Galgen war neben ihrer Baracke aufgestellt und Ihre Mithäftlinge erzählten ihnen, dass dieser auch vor kurzem für eine Hinrichtung in Anwendung gewesen war. Nach kurzer Zeit erlebte der dänische Häftling Niels Aage Skov selbst, wie eine polnische Frau im KZ Neuengamme erhängt wurde. Sie soll Brot für ihr Säuglingskind gestohlen haben.
In Neuengamme erlebten die dänischen Häftlinge auch überfüllte Baracken, in denen sie sich die schmalen Etagenbetten teilen mussten. Vom guten Essen, das in Frøslev von dänischem Vollzugspersonal gekocht wurde, mussten die Häftlinge ihre Mägen jetzt an oft faules Brot und dünne Suppe mit oft verdorbenen Zutaten gewöhnen. Die Verpflegung im Konzentrationslager reichte nicht aus um zu Überleben. Viele dänische Häftlinge beschreiben, wie besonders die abgemagerten, hungrigen sogenannten „Muselmänner“ einen starken Eindruck auf sie machten. Würden sie selber so enden?
Es ist deshalb verständlich, dass die dänischen Häftlinge sehr gerne das Konzentrationslager Neuengamme verlassen wollten. Viele konnten sich keinen schlimmeren Ort vorstellen. Als Gerüchte über einen Transport in ein Arbeitslager aufkamen, wurde die Stimmung unter den dänischen Häftlingen besser. Die meisten waren kräftig und wollten arbeiten. Obwohl die meisten Widerstandskämpfer gewesen waren und deshalb dagegen abgeneigt waren für das Deutsche Reich zu arbeiten, gab ein Arbeitslager doch den meisten neue Hoffnung. Viele dachten, dass wenn sie Ihre Arbeit gut machten, würden sie vielleicht überleben. Einen guten Arbeiter würden die Deutschen wohl kaum töten. Den wenigsten war im Klaren, dass die sogenannte „Vernichtung durch Arbeit“ auch ein Zweck der nationalsozialistischen Konzentrationslager war.
Nach etwa 1½ Woche, am 26. September 1944, verließen 79 dänische Häftlinge das Konzentrationslager Neuengamme. Sie wurden mit Viehwaggons in das Außenlager Husum-Schwesing überführt. 99 weitere wurden auf gleichem Wege in das Außenlager Porta Westfalica Barkhausen überführt. Der Rest blieb entweder im Stammlager Neuengamme oder wurde auf andere Außenlager im Raum Hamburg verteilt.

Die dänischen Häftlinge im Außenlager Husum-Schwesing
Ein Hydrant heute auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing.Das Außenlager Husum-Schwesing wurde als Konsequenz der Führerweisung von 28. August 194417 in einem ehemaligen Barackenlager eines Luftwaffen-Baubataillons errichtet. Die meisten Baracken standen damit schon seit 1938 auf dem Gelände. Das Lager diente zu diesem Zeitpunkt als Unterkunft für Bausoldaten, die den Flugplatz Schwesing errichteten. Dieser wurde jedoch vorerst nicht fertiggestellt und diente während des Zweiten Weltkriegs als Scheinflugplatz mit dazugehörigen Flugzeugattrappen, die auch in den Erinnerungen des polnischen ehemaligen Häftlings Zdislaw Sokol, der im Außenlager als persönlicher Diener Griems diente, Erwähnung finden. Die Inbetriebnahme des Außenlagers hing also mit der genannten Führerweisung zusammen, in welcher eine Befestigung der deutschen Nordseeküste sowie eine Verteidigungslinie entlang der niederländischen Grenze befohlen wurde. Es geht dabei konkret um den sogenannten „Friesenwall“ sowie die „Weser-Ems-Stellung“. Die nationalsozialistische Führung befürchtete eine alliierte Invasion in Jütland oder entlang der Deutschen Bucht. Eine solche war jedoch wegen des Wattenmeeres unwahrscheinlich, da es den alliierten fast unmöglich gewesen wäre schweres Material an der Küste zu landen. Dieses wird im Übrigen durch zeitgenössische Berichte des britischen militärischen Nachrichtendienstes bestätigt. Die primitiven Verteidigungsanlagen, die in erster Linie aus Panzergräben und leicht befestigten Maschinengewehrstellungen bestanden, wurden hauptsächlich von KZ-Häftlingen des Konzentrationslagers Neuengamme per Hand ausgehoben. Dazu wurden die sechs Außenlager Ladelund, Husum-Schwesing, Wedel, Aurich-Engerhafe, Meppen-Dalum und Meppen-Versen errichtet, wobei letztere zwei ehemals Teil des Emslandlager-Komplexes gewesen waren.
Zwischen 1000 und 1500 Häftlinge wurden am 26. September von Neuengamme nach Husum per Bahn in Viehwaggons transportiert. Die genaue Zahl lässt sich anhand der vorhandenen Quellen nicht ermitteln. Bei der Ankunft wurden die Häftlinge vom Husumer Stützpunktleiter Hans Griem, vier weiteren SS-Männern und etwa 100 Infanteristen der Kriegsmarine erwartet, die zur Bewachung des Außenlagers abgestellt worden waren. Die Wachmannschaften der Kriegsmarine wurden ausschließlich zur äußeren Bewachung des Lagers und der Bewachung der Häftlinge an den Arbeitsstätten eingesetzt. Diese Bewacher nahmen zum Teil zwar auch an Tötungen im Rahmen sogenannter Fluchtversuche teil, bei denen sich Häftlinge – oft durch vorhergehende Provokationen durch Funktionshäftlinge – von ihren Arbeitsstätten entfernten und darauf folgend „auf der Flucht erschossen“ wurden. Konkrete Namen von Tätern sind jedoch in Bezug auf die Wachmannschaften der Kriegsmarine nicht bekannt. Hingegen soll hier kurz auf die führenden SS-Männer und ihre Handlanger in den Reihen der Häftlinge – die sogenannten Kapos – eingegangen werden. Der Hauptverantwortliche Täter war der damals 42 jährige Untersturmführer Hans Griem, erster Lagerleiter des KZ-Außenlagers Husum-Schwesing und später Stützpunktleiter der Aussenlagerkomplekse Husum-Schwesing und Ladelund in Nordfriesland sowie ab Januar 1945 Stützpunktleiter der KZ-Außenlager Dalum und Versen in der Nähe von Meppen unweit der niederländischen Grenze. Griem stammte aus Berlin und war gelernter Mechaniker. Mit 21 wurde er Mitglied der paramilitärischen, nationalistischen Organisation „Stahlhelm“, der er bis 1930 angehörte. 1930 wurde Griem Mitglied der NSDAP und im folgenden Mitglied der Allgemeinen SS. Die SS-Akten Griems sowie die Aussagen zu seiner Person lassen keine Zweifel offen, dass Griem überzeugter Nationalsozialist war. Im Januar 1940 wurde Griem zur Waffen-SS eingezogen und wurde nach eigenen Angaben in Lodz im deutsch-besetzten Polen ausgebildet. Es ist zu vermuten, dass Griem dort im jüdischen Ghetto Dienst tat – dieses lässt sich anhand der Quellen jedoch nicht einwandfrei verifizieren. Ab Herbst 1940 wurde Griem Teil der Wachmannschaften des Konzentrationslagers Neuengamme, wo er vor seiner Dienstzeit in Husum auch in mehreren anderen Außenlagern tätig war. Besonders zu erwähnen ist dabei das Außenlager bei der Akkumulatorenfabrik in Hannover-Stöcken, wo Griem bei der zivilen Fabriksleitung wegen seiner Brutalität gegenüber den Häftlingen und seinem Hang zum Alkoholismus negativ auffiel. Letzteres war ein Merkmal, welches auch in vielen Schilderungen ehemaliger Husum-Häftlinge zu finden ist. Griems menschenverachtende ideologisch begründete Weltanschauung gegenüber den Häftlingen wurde besonders deutlich, als er mehrere Wochen nach der Inbetriebnahme des Außenlagers Husum-Schwesing vom dänischen Häftlingsarzt Paul Thygesen mit den katastrophalen Bedingungen im Lager konfrontiert wurde, die zu dieser Zeit ein regelrechtes Massensterben auslösten. Griem antwortete Thygesen dass:
„Die Häftlinge, die hier nicht am Leben gehalten werden können, haben auch keine Berechtigung in einem neuen Europa zu existieren, und sie können ebenso gut jetzt wie später sterben. Dies hier ist keine Versorgungsanstalt, und ich werde einfach neues Häftlingsmaterial anfordern – lassen sie mich im Übrigen mit Ihren falschen humanitären Wahnvorstellungen in Ruhe.“

Ein Originalbild des berüchtigten Hydranten, auf dem Häftlinge gefoltert wurden.Es ist dabei zu erwähnen, dass allein die Kritik Thygesens gegenüber einem SS-Mann hätte lebensgefährlich ausgehen können. Thygesen muss jedoch bei Griem einen gewissen Respekt genossen haben, da er später von Griem auch als Häftlingsarzt im Außenlager Meppen-Dalum eingesetzt wurde.
Als weiterer Täter muss auch der sogenannte Rapportführer des Außenlagers Husum-Schwesing, Josef Klingler, erwähnt werden. Klingler war praktisch die rechte Hand Griems und war für die Ausführung vieler Befehle verantwortlich. Klingler stand somit vielen Bestrafungen von Häftlingen vor, bei denen er im großen Maße auch Eigeninitiative zeigte. Klingler war sogenannter Volksdeutscher und stammte aus der Gemeinde Groß-Jetscha in Rumänien, wo er vor seiner Tätigkeit als SS-Mann im Wachverband des Konzentrationslagers Neuengamme als Bauer tätig gewesen war. Klingler war für seine einfältige Brutalität bekannt. Ihm wurde unter anderem die Erfindung der Husum-typischen Bestrafung zugeschrieben, bei der Häftlinge, die wegen Diebstahls von Lebensmittel angeklagt wurden, sich in einer demütigenden Haltung auf den heute noch existierenden Hydranten des Lagers setzen mussten. Dabei mussten sie Rüben oder Kartoffeln im Mund und in beiden Händen halten, bis sie vor Erschöpfung vom Hydrant fielen und darauf zusammengeschlagen wurden, welches nachweislich auch Todesfälle mit sich führte.
Unklarere Täterrollen spielten der SS-Oberscharführer Emanuel Eichler, im zivilen Leben Caddie in einem Hamburger Golfklub, und der dänische SS-Mann Kurt Niels Mikkelsen. Eichler wurde nach der Errichtung des Außenlagers Ladelund im Oktober 1944 als Lagerleiter in Husum eingesetzt, wobei sich sein Vorgesetzter Griem zu diesem Zeitpunkt in erster Linie in Ladelund aufhielt. Eichler wurde nach dem Krieg nachgesagt, dass er zwar ein umgänglicher SS-Mann gewesen sei, jedoch die katastrophalen Verhältnisse im Außenlager Husum-Schwesing nicht zu verbessern vermochte. Der dänische SS-Mann Kurt Niels Mikkelsen hingegen war eine eher unscheinbare Persönlichkeit. Anhand der Quellen ist anzunehmen, dass es seine Hauptaufgabe war, die Arbeiten am „Friesenwall“ für die Amtsgruppe C (Bauwesen) des SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamtes zu überwachen. Er gehörte somit nicht den Wachmannschaften an, hatte jedoch mehrere Kontakte zu besonders den dänischen Häftlingen im Lager.
Die Verhältnisse im Außenlager Husum-Schwesing waren für alle Häftlinge von Anfang an katastrophal. Die Unterkünfte und die sanitären Anlagen des Lagers waren für 200 – unter besonderen militärischen Umständen für 400 Bausoldaten ausgelegt. Im Außenlager hausten zunächst 1500 und kurz vor der Inbetriebnahme des Außenlagers Ladelund bis zu 2500 Häftlinge. Krankheiten in Folge der schlechten Hygiene und unzureichenden Verpflegung verbreiteten sich schnell, welches unter anderen eine Folge der extremen Überbelegung des Lagers war.  Die Häftlinge konnten nur in sehr begrenztem Maße medizinisch versorgt werden. Es befanden sich mehrere Ärzte unter den Häftlingen – die SS erlaubte es jedoch nur den beiden Dänen Paul Thygesen und Knud Nordentoft als Häftlingsärzte zu praktizieren. Als Dänen waren beide Arier, welches offenbar als Qualifikation für die SS vollkommen ausreichte. Dem Franzosen Clément Marot wurde es von Seiten der SS verweigert seinen Kammeraden ärztlichen Beistand zu leisten – ihm wurde erst erlaubt in Ladelund als Häftlingsarzt zu praktizieren, da die SS dort, besonders wegen der Nähe zur dänischen Grenze, keine dänischen Häftlinge inhaftierte. Es ist deshalb vielleicht verständlich, das der dänische Häftlingsarzt Thygesen unter den Franzosen nicht nur Freunde hatte.  Die Dänen wurden von anderen Häftlingsgruppen zum Teil als privilegierte Häftlinge angesehen. Die dänischen Häftlinge genossen jedoch nur wenige Privilegien, eine mögliche besondere oder bessere Behandlung von Seiten der SS ist in erster Linie aus rassenideologischer Sicht zu verstehen, da die dänischen Häftlinge in Husum nicht – wie in anderen Konzentrationslagern – Verpflegungspakete des Roten Kreuzes bekamen, die ihre Lage hätten verbessern können. An anderen Orten, wie zum Beispiel im Außenlager Barkhausen an der Porta Westfalica dienten diese Pakete nicht nur als Nahrungszusatz, sondern auch zur Bestechung von SS-Männern und deutschen Kapos, welches von Seiten der SS mitunter nicht nur zum Vorteil der Dänen ausgelegt wurde, so dass der Neid ihrer Mithäftlinge auch lebensgefährliche Situationen auslösen konnte.
Die Häftlingsgesellschaft des Außenlagers Husum-Schwesing kann als stark fragmentiert angesehen werden. Kontakte zwischen den verschiedenen Nationalitäten kamen vor, eigentliche Freundschaften, beziehungsweise Solidarität zwischen dänischen Häftlingen und Angehörigen anderer nationaler Häftlingsgruppen waren jedoch eher selten. Der Haftgrund spielte hier jedoch eine nicht unbedeutende Rolle. Ein ehemaliges Mitglied der dänischen Widerstandsbewegung konnte sich leichter mit einem ehemaligen Mitglied der französischen Resistance als mit einer niederländischen Geisel identifizieren. Als Widerstandskämpfer war man sich schon vor der Festnahme eines gewissen Risikos bewusst. Man war KZ-Häftling, weil man für eine Sache gekämpft hatte. Die sogenannten Geiseln aus dem niederländischen Putten waren als eine Vergeltungsaktion nach einem Anschlag der niederländischen Widerstandsbewegung auf deutsche Offiziere deportiert worden. Es handelte sich dabei um die männliche Bevölkerung eines ganzen Ortes, die ohne Vorwarnung und ohne Schuldbewusstsein in deutsche Konzentrationslager deportiert wurden. Besonders in Husum und Ladelund machten diese niederländischen Häftlinge eine große Häftlingsgruppe aus, die jedoch auch eine besonders hohe Sterblichkeitsrate  hervor brachte. Wahrscheinliche Gründe hierfür sind erstens das eben genannte nicht vorhandene Risikobewusstsein sowie eine größere Variation des Alters innerhalb der Häftlingsgruppe. Vergleicht man die niederländischen Geiseln mit den dänischen sogenannten „asozialen“ Häftlingen des Außenlagers Barkhausen, bei denen die Umstände der Verhaftung vergleichbar sind, ist jedoch das Argument des fehlenden Risikobewusstseins und ein darauf folgender Schockzustand hervorzuheben. Ein direkter Vergleich zwischen beiden Häftlingsgruppen im Außenlager Schwesing lässt sich nicht anstellen, da es dort nur wenige sogenannte „asoziale“ dänische Häftlinge gab, die sich nach dem Krieg nicht zu ihren Erfahrungen geäußert haben.  
Ein sehr verhasster Mann: Der deutsche Kapo Willi Demmer.Die Häftlingsgesellschaft des Außenlagers Husum-Schwesing war also stark hierarchisch organisiert, wobei die Haftursache sowie die rassische Einstufung der Häftlinge entscheidend waren. Es wundert deshalb kaum, dass deutsche Funktionshäftlinge als Kapos an der Spitze der Häftlingsgesellschaft standen. Interessant ist es jedoch, dass der Lagerälteste, der Bremer politische Häftling Heinrich Neufeld, laut den Erinnerungen ehemaliger Mithäftlinge nur eine marginale Rolle zu spielen scheinte. Im Gegensatz zu Neufeld fielen die deutschen Kapos Willi Demmer, Wilhelm Schneider, Martin Tenz und Franz Levy besonders auf. Diese Kapos waren in erster Linie für den Arbeitseinsatz ihrer Mithäftlinge verantwortlich, wobei sie auch selber mit großer Brutalität Hand anlegten. Es soll hier nicht im Detail auf die Lebensgeschichten der einzelnen Personen eingegangen werden. Besonders Willi Demmer ist jedoch hervorzuheben. Aus den psychiatrischen Gutachten der britischen Gerichtsakten im Kriegsverbrecherprozess gegen ihn lässt sich ein psychologisches Profil von Demmer erstellen, welches verdeutlicht, dass er von der SS zu einem effektiven Terrorinstrument geformt wurde. Es ist dabei nichts Besonderes, dass Funktionshäftlinge wegen Vergünstigungen und Schutz von Seiten der SS aus freien Stücken in die Grauzone zwischen Opfern und Tätern traten und als Handlanger der SS ihre Mithäftlinge terrorisierten, ja sogar umbrachten um selber die Haft zu überleben und sich Vorteile zu schaffen. Demmer gehörte als psychisch gestörter langjähriger Patient mehrerer Heilanstalten zu einer Gruppe von Häftlingen, die sich besonders gut als formbares Terrorinstrument eigneten. Er mag schon vor seiner KZ-Haft gewalttätige Veranlagungen gehabt haben, diese wurden jedoch in den Konzentrationslagern von der SS bewusst ausgenützt. Das Beispiel Demmer verdeutlicht damit, wie die SS durch das Prinzip der Häftlingsselbstverwaltung mit verhältnismäßig begrenztem Wachpersonal hunderte, ja sogar tausende Häftlinge in Schach halten konnte.
Hauptaufgabe der deutschen Kapos war es die Häftlinge an den Arbeitsstätten zu schinden und zu schlagen. In anderen Konzentrationslagern war es üblich, dass die Häftlinge langsamer arbeiteten um sich zu schonen, wenn keine Kapos, SS-Leute oder andere Bewacher in der Nähe waren. In Husum war dieses wegen der Topographie des nordfriesischen Marschlandes unmöglich, weshalb die Zwangsarbeit als viel härter als in anderen vergleichbaren Konzentrationslagern anzusehen ist. Die harte Zwangsarbeit, also das ausheben von Panzergräben in der feuchten Marsch unter extremer Witterung ist als einer der wichtigsten Gründe für die hohe Todesrate des Außenlagers Husum-Schwesing zu verstehen. Bei der Arbeit trugen die Häftlinge oft feuchte und unzureichende Kleidung und standen oft im kniehohen Wasser in den Gräben. Die unzureichende Verpflegung trug dazu bei, dass die Häftlinge mitunter weniger als ein Drittel der notwendigen Kalorienration einnahmen, welches zu einem langsamen Hungertod führte. Unbehandelte wunden, die entweder durch die Arbeit oder durch Schläge der Bewacher verursacht wurden, waren oft tödlich. Die Verhältnisse im Außenlager Husum-Schwesing wurden nach und nach so extrem, dass die meisten Häftlingsbaracken mit kranken oder sterbenden Häftlingen belegt waren. Dass die Verhältnisse im Außenlager Husum-Schwesing im Vergleich zu anderen Außenlagern besonders kritisch waren, verdeutlicht die Zeugenaussage von Max Pauly, dem Kommandanten des Konzentrationslagers Neuengamme, der als Vorgesetzter von Hans Griem das Lager Schwesing inspizierte und die dortigen Verhältnisse beanstandete. Ob diese Inspektionsreise oder die veränderte strategische Lage des Dritten Reiches schließlich zur Auflösung des Lagers führten ist unklar. Es ist jedoch klar, dass die Häftlinge aus Husum zum Teil an die niederländische Grenze verlegt wurden um dort weiterhin Panzergräben auszuheben. Auch hier – im Außenlager Dalum - unterstanden sie dem Kommando von Hans Griem und seiner rechten Hand Josef Klingler sowie mehrerer der genannten deutschen Kapos. Während der Inbetriebnahme des Außenlagers Husum-Schwesing starben mindestens 297 Häftlinge, die auf dem Husumer Ostfriedhof begraben wurden. Eine weitere unbekannte Anzahl kranker und sterbender Häftlinge wurde in das Stammlager Neuengamme zurückverlegt. Wie viele ehemalige Husum-Häftlinge vor der Befreiung in anderen Konzentrationslagern oder während dem britischen Angriff auf die KZ-Schiffe in der Neustädter Bucht gestorben sind, lässt sich nicht ermitteln. Die dänischen Häftlinge sollen jedoch zum Vergleich erwähnt werden. Elf dänische Häftlinge starben während des Bestehens des Außenlagers Husum-Schwesing. Weitere sechs ehemalige dänische Husum-Häftlinge starben vor oder unmittelbar nach der Befreiung. Dabei muss erwähnt werden, dass die dänischen Häftlinge spätestens nach Weinachten 1944 regelmäßig Verpflegungspakete des Roten Kreuzes bekamen. Die dänischen Häftlinge wurden mit wenigen Ausnahmen mit den Weißen Bussen evakuiert, so dass sie nicht auf Todesmarsch geschickt oder auf die gerade genannten KZ-Schiffe verlegt wurden. Ihre Überlebenschancen waren damit vergleichsweise höher als die ihrer Mithäftlinge, obwohl das Quellenmaterial keinen eigentlichen statistischen Vergleich zulässt. Mit Sicherheit kann deshalb nur zusammengefasst werden, dass hunderte von Häftlingen Opfer des  Konzentrationslagers Husum-Schwesing wurden. Dazu sind nicht nur die Toten, sondern auch die Überlebenden mit  physischen und psychischen Spätfolgen zu rechnen.

Täter vor Gericht
Es soll hier auch kurz das Nachspiel um das KZ-Außenlager Husum-Schwesing angesprochen werden. Dabei sind besonders die Gerichtsverfahren gegen die Täter interessant, da sie zu einem Großteil der Quellen zu der Geschichte des Außenlagers beigetragen haben. Unmittelbar nach dem Krieg gab es in Bezug auf das Außenlager Husum-Schwesing zwei britische Kriegsverbrecherprozesse, in denen mehrere Haupttäter angeklagt waren. Die Ermittlungen der Briten sind ein interessantes Kapitel für sich. Die Nachforschungen wurden oft dadurch erschwert, dass ehemalige Häftlinge in ihre Heimat zurückgekehrt waren und Zeugen erst mühsam aufgespürt werden mussten. Eine besondere Herausforderung stellten die Osteuropäischen Häftlinge da, da sich der Eiserne Vorhang zu dieser Zeit allmählich durch Europa zog. Es ist deshalb verständlich, dass besonders die dänischen Häftlinge auch als zentrale Zeugen in den verschiedenen britischen Gerichtsverfahren geladen wurden. Dänemark befand sich in unmittelbarer geografischer Nähe zur britischen Besatzungszone. Der dänische ehemalige Häftlingsarzt Paul Thygesen wurde damit zu einem der Kronzeugen gegen die Täter des Außenlagers Husum-Schwesing. Angeklagt wurden im ersten Husum-Prozess, dem sogenannten „Neuengamme IV-Case“ Josef Klingler, Emanuel Eichler und Wilhelm Schneider. Hans Griem sowie den Kapos Willi Demmer und Martin Tenz gelang die Flucht. Tenz starb später bei dem Versuch einer erneuten Festnahme. Demmer wurde festgenommen und beim sogenannten „Husum-Außenkommando“ Verfahren angeklagt. Seine Zurechnungsfähigkeit wurde angezweifelt und Demmer wurde in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Schneider und Eichler bekamen Haftstrafen, wobei Eichler jedoch während der Haft verstarb. Josef Klingler wurde als einziger zum Tode verurteilt. Er wurde am 26. Juni 1947 im Zuchthaus Hameln gehenkt.
In Dänemark kam es zu einem Verfahren gegen den dänischen SS-Mann Kurt Niels Mikkelsen, auf den die Behörden durch Aussagen ehemaliger Husum-Häftlinge aufmerksam wurden. Mikkelsen wurde nicht nur wegen seinem Kriegsdienst in der Waffen-SS verurteilt, sondern wurde auch wegen Misshandlung von Häftlingen schuldig gesprochen. Dabei ist zu erwähnen, dass er in den gleichzeitigen britischen Verfahren nicht einmal erwähnt wurde, welches für seine stark begrenzte Rolle im Außenlager Schwesing spricht.
Besonders nennenswert sind auch die bundesdeutschen Voruntersuchungen gegen Hans Griem in den 1960er Jahren.  Griem lebte nach dem Krieg unter eigenem Namen in Bergedorf, also in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme. Im Zuge einer bundesweiten Ermittlung von Verbrechen in ehemaligen Außenlagern begann die Staatsanwaltschaft Hamburg ein Ermittlungsverfahren gegen Griem, in welchem dänische Häftlinge erneut als Zeugen auftraten. Es soll dabei jedoch erwähnt werden, dass insbesondere auch französische ehemalige Häftlinge als Zeugen auftraten. Die vorhandenen Zeugenaussagen sprechen für die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung Griems wegen Mordes. Wichtigste Anklagepunkte waren zwei Episoden im Außenlager Husum-Schwesing, bei denen Griem mehrere Häftlinge durch Schüsse tödlich verletzt hatte. Es handelte sich zum einen um einen von Griem erschossenen polnischen oder russischen Jungen, der Kartoffeln stehlen wollte um seinen Hunger zu stillen. Zum anderen ging es um Schüsse gegen die Küchenbaracke, bei denen mehrere Häftlinge verletzt wurden und ein Häftling an den Folgen des Schusses starb. Griem hatte die Häftlinge dieses Arbeitskommandos zum Appel aufgefordert und geschossen, weil es ihm zufolge nicht schnell genug ging die Häftlinge aus der Baracke zu hetzen. Griem sollte sich jedoch nicht seiner Verantwortung stellen. Er verstarb vor der eigentlichen Gerichtsverhandlung 1971.

Ein schwieriges Kapitel nordfriesischer Erinnerung
Stelenfeld auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Schwesing.Zum Schluss soll auch kurz die Vergangenheitsbewältigung vor Ort erwähnt werden. Das KZ Husum-Schwesing ist ein besonders schweres Kapitel der nordfriesischen Geschichte und der Erinnerung an die NS-Zeit. Die Aufarbeitung der Geschichte des Ortes begann erst Anfang der 1980er Jahre, als die Arbeitsgruppe zur Erforschung der nordfriesischen Konzentrationslager anfing sich mit dem Thema zu beschäftigen. Eine Veranstaltung im dänischen Kulturzentrum „Husumhus“ am 30. Januar 1983 – also 50 Jahre nach der nationalsozialistischen Machtergreifung – verdeutlichte die Notwendigkeit einer kulturpolitischen Vergangenheitsbewältigung. Die dänischen ehemaligen Häftlinge Paul Thygesen und Benjamin Mørch berichteten etwa 800 schweigenden Zuhörern über ihre tragischen Erfahrungen im KZ Husum-Schwesing. In den folgenden Jahren zeigte sich ein – wenn auch zaghafter – politischer Wille zu einer eigentlichen Gedenkstätte auf dem ehemaligen Lagergelände, auf dem buchstäblich Grass über die Sache gewachsen war, da die meisten baulichen Überreste – unter anderem im Rahmen einer Abwicklung einer späteren Anwendung der Baracken als Vertriebenenlager – abgetragen worden waren. Heute – mehr als 30 Jahre später ist das gesamte ehemalige Lagergelände endlich im Besitz des Kreises Nordfriesland und eine Fertigstellung der Gedenkstätte lässt sich in naher Zukunft erahnen. Die Debatte in den Vergangenen 30 Jahren - die bis heute nicht beendet ist - verdeutlicht, dass die Geschichte des Konzentrationslagers Husum-Schwesing nicht vergessen werden darf. Die erste Deportation von dänischen Häftlingen vom Harrisleer Bahnhof in das nationalsozialistische Konzentrationslagersystem sowie die Geschichte der Häftlinge des Konzentrationslagers Husum-Schwesing sollen deshalb auch in Zukunft als wichtige historische Mahnung bestehen.